Weingut Reinhold & Cornelia Schneider

 

Betriebsbeschreibung Gault&Millau Weinguide 2018

Bewertung: 4 Trauben

Beschreibung:

Oft schon hätten sie ihr Gut vergrößern können. Sie wollten aber nicht. Cornelia und Reinhold Schneider sind schließlich 1981 aus der Genossenschaft ausgetreten, um möglichst viel selbst machen zu können. Angefangen von der Handarbeit im Weinberg, über die Weinbereitung im Keller bis zu Füllung und Verkauf der Flasche. Vom Weinberg bis zur Flasche. Auch das Gutshaus wurde selbst gebaut, auf dem Grundstück der ehemaligen Holzhandlung des Urgroßvaters. Über die Jahre wurde es immer wieder erweitert. „Von Anfang an haben wir uns der naturnahen Bewirtschaftung der Weinberge und der konsequenten Erzeugung durchgegorener Weine ohne Restsüße verschrieben“, erklären sie. „Dabei geht es uns um die bestmögliche Qualität. Vieles ist bei uns noch Handarbeit und jeder Arbeitsschritt wird persönlich in Angriff genommen.“ Für den Keller mitverantwortlich ist Alexander Schneider, der nach seiner Ausbildung in der Pfalz in 2002 eingestiegen ist und das Gut übernehmen wird. Gemeinsam haben die drei ihren Betrieb zur Spitze Badens geführt. Die Weinberge der Schneiders liegen sämtlich in Endingen, am Nordrand des Kaiserstuhls. Dort sind diverse Bodenformationen zu finden, Löss, Lehm sowie Vulkanverwitterungsgestein. In ihrer betriebseigenen Klassifizierung verwenden sie keine Lagennamen, allenfalls Gewannnamen für Selektionsweine, zum Beispiel bei den drei Spätburgundern. „Trio“ ist eine Cuvée von Weißburgundern aus verschiedenen Lagen, „R“ bezeichnet Weine, die auf Vulkanverwitterungsboden gewachsen sind, „C“ steht für Lössböden, „***“ drei Sterne für die Spitze, „die großen Weine eines Jahrgangs“, so die Schneiders. Ihre Weinberge sind fast ausschließlich mit Burgundersorten bepflanzt, von Trendrebsorten haben sich die Schneiders immer ferngehalten, selbst von neuen Namen für alte Sorten. Hier heißt der Grauburgunder ganz traditionell Ruländer. Benannt nach Johann Seger Ruland, Kaufmann und Apotheker in Speyer, der die Sorte in Deutschland verbreitete. Allerdings bauen sie die Sorte, die zu hohen Mostgewichten neigt, nicht generell süß aus, was lange Zeit üblich war. Die Schneiders sind genussfreudige Menschen. Und Genuss muss hier nicht teuer sein. Schon die Einstiegsweine bieten sehr guten Wein für ein überschaubares Budget. Für die Spitzengewächse trifft das im (badischen) Vergleich ebenso zu. Die wundervoll ausgewogenen Weine besitzen alle ein Aromenprofil mit Wiedererkennungswert, welches die Güte der Lagen, aber auch die der langen Reife bei natürlich kühlen Temperaturen aufzeigt. Der Keller, den die Schneiders „unser Universum“ nennen, ist vielleicht der kühlste Keller in Baden. „Bei der Vinifizierung verzichten wir auf großartige Technik. Das handverlesene Traubengut wird schonendst gepresst. Danach erfolgt eine gezügelte Vergärung, beim Spätburgunder erfolgt diese auf der Maische“, erklären die Schneiders. „Mit viel Geduld und einem langen Hefelager schaffen wir die Voraussetzungen für die Langlebigkeit unserer Weine.“ Manche kommen erst drei oder vier Jahre nach der Lese in den Verkauf. Der Fokus beim Weinausbau im Schneider’schen Universum liegt auf größtmöglicher Balance, nicht auf Spleenigkeit, oder auf irgendwelchen weintechnischen Experimenten. Alle Weine, weiß wie rot, sind kraft- und druckvoll, mit einem Touch – zur guten badischen Küche so hervorragend passen- der – Opulenz, gepaart mit einem sanften Gerbstoffmanagement, also ausgesprochen rund und keinesfalls aneckend oder gar sperrig, Harmonie pur!“